Belastende Arbeitsbedingungen
Personalmangel erhöht Belastungen und Unfallrisiken im Arbeitsalltag
Der anhaltende Fachkräftemangel kann zu Arbeitsverdichtung, Stress und einer höheren Unfallgefahr führen. Der TÜV Rheinland sieht gesundheitsbewusste Führung als wichtigen Faktor, um Überlastungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.
In der Pflege zeigt sich der Fachkräftemangel besonders deutlich. (Bild: Adobe Stock / Mariya Sorvacheva)
Veröffentlicht am 26.08.2026
ESV / ESV-Akademie
Fachkräftemangel belastet Beschäftigte und erhöht Gesundheitsrisiken
Trotz der aktuellen konjunkturellen Schwäche bleibt der Fachkräftemangel in Deutschland bestehen. Nach Angaben des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) fehlten im Jahresdurchschnitt 2025 bundesweit 369.516 qualifizierte Arbeitskräfte. Wie groß der Fachkräftemangel ausfällt, hängt dabei stark von der Branche ab. Besonders betroffen sind laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Pflege, die Kinderbetreuung und technische Berufe.
Der häufig über Monate andauernde Personalmangel wirkt sich auf die Arbeitsbedingungen aus. Beschäftigte müssen mehr leisten, um das Arbeitsaufkommen zu bewältigen. Dadurch kann es zu Arbeitsverdichtung sowie zu physischen und psychischen Belastungen kommen. In dieser Situation ist es wichtig, dass Führungskräfte Überlastungen bei den Beschäftigten erkennen und gegensteuern.
Mehr Arbeitsbelastung erhöht Stress und Unfallgefahr
Um die zusätzliche Arbeit zu bewältigen, müssen Beschäftigte häufig schneller arbeiten und zusätzliche oder fachfremde Aufgaben übernehmen. Dies kann zu Unsicherheit und Zeitdruck bei der Arbeit führen.
Mögliche Folgen sind Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Beschwerden im Bereich des Muskel-Skelett-Systems, Kopfschmerzen sowie psychische Belastungen.
Hinzu kommt, dass längere Arbeitszeiten, Überstunden und ausgelassene Pausen die Unfallgefahr erhöhen. Gleichzeitig kann der notwendige Ausgleich in der Freizeit zu kurz kommen.
Gesunde Führung gewinnt bei Personalmangel an Bedeutung
Wie Führungskräfte Anzeichen von Überlastung erkennen können, ist laut Iris Dohmen, Arbeitspsychologin bei TÜV Rheinland, eine häufige Frage in Workshops zum gesunden Führen.
„Ganz typisch bei psychischen Belastungen sind Gereiztheit oder eine verringerte Fehlertoleranz“, sagt Dohmen. Auch mangelnde Kommunikation und vermehrte Missverständnisse könnten auf eine zu hohe Belastung der Beschäftigten hindeuten.
Die Folge seien häufig Überforderung und eine sinkende Arbeitszufriedenheit. In dieser Situation sei es wichtig, dass Führungskräfte ihre Wertschätzung für die Leistung des Teams und der einzelnen Mitarbeitenden zum Ausdruck bringen. Zudem könnten Führungskräfte die Resilienz im Team fördern, indem sie Informationen über Stress, Überforderungsreaktionen und Coping-Strategien mit den Beschäftigten teilen.
Führungskräfte sollten auch die eigene Belastung im Blick behalten
Auch Führungskräfte sind durch den Fachkräftemangel einem steigenden Leistungsdruck ausgesetzt. Daher müssen sie Anzeichen einer Überlastung auch bei sich selbst erkennen.
Nur so können sie eine Vorbildfunktion übernehmen und durch gesundheitsbewusstes Verhalten gegensteuern.
„Halten Führungskräfte auch bei hohem Leistungsdruck Pausen, Ruhezeiten und Urlaube ein, signalisieren sie dem Team, dass dieses Verhalten richtig und im Unternehmen akzeptiert ist“, betont Iris Dohmen.
Dies unterstützt langfristig die Leistungsfähigkeit und Motivation der Beschäftigten.
Weitere Informationen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz von TÜV Rheinland finden Unternehmen und Beschäftigte hier.
Quelle/Fundstelle: TÜV Rheinland: Informationen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz
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