Emissionshandel
Deutsche Emissionen im EU-Emissionshandel sinken erneut
Die Emissionen der am europäischen Emissionshandel teilnehmenden Anlagen in Deutschland sind 2025 um 3,2 % gesunken. Besonders die Industrie verzeichnete rückläufige Emissionen, während sich der Rückgang im Energiesektor abschwächte.
Der Emissionshandel ist ein zentrales Instrument des Klimaschutzes. (Bild: Adobe Stock / Leonid)
Veröffentlicht am 05.08.2026
ESV / ESV-Akademie
Europäischer Emissionshandel
Im Jahr 2025 verursachten die 1.794 stationären Industrie- und Energieanlagen in Deutschland, die dem Europäischen Emissionshandelssystem EU-ETS 1 unterliegen, rund 264 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Nach Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt (UBA) entspricht dies einem Rückgang von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr.
Im Jahr 2024 hatte der Emissionsrückgang stationärer Anlagen noch 5,5 % betragen. Die Emissionen des Luftverkehrs sanken 2025 um 2,2 % auf rund 8,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, nachdem sie im Vorjahr noch um 16 % gestiegen waren.
Industrie und Energiewirtschaft entwickeln sich unterschiedlich
Der EU-ETS 1 umfasst stationäre Anlagen der Energie- und Industriesektoren sowie den innereuropäischen Luft- und Seeverkehr. Die Emissionsentwicklung wird dabei maßgeblich von den stationären Anlagen bestimmt.
Zwischen Industrie und Energiewirtschaft zeigten sich deutliche Unterschiede. Die Emissionen der erfassten Industrieanlagen lagen 2025 um 5,5 % unter dem Vorjahreswert. Als wesentliche Ursache nennt das UBA die weiterhin schwache wirtschaftliche Entwicklung.
Demgegenüber verringerte sich der Emissionsausstoß der Energieanlagen lediglich um rund 2 %. Damit hat sich der Rückgang gegenüber 2024 deutlich abgeschwächt, als die Emissionen noch um 9,5 % gesunken waren.
Auch auf europäischer Ebene zeigt sich ein vergleichbares Bild. Nach Angaben der Europäischen Kommission sanken die Emissionen stationärer Anlagen im EU-ETS 1 um rund 2 %, nachdem der Rückgang im Vorjahr noch 6,5 % betragen hatte. Die Emissionen des Luftverkehrs nahmen europaweit um rund 1 % zu.
UBA sieht weiteren Handlungsbedarf
Nach Einschätzung des UBA hat sich der Emissionshandel seit seiner Einführung im Jahr 2005 schrittweise zum zentralen Klimaschutzinstrument in Deutschland und Europa entwickelt.
Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die Entwicklung auf dem Weg zur Klimaneutralität verlangsamt hat. Das UBA weist darauf hin, dass die Emissionsrückgänge in der Industrie in den vergangenen Jahren zu einem erheblichen Teil auf die schwache wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen seien und nicht primär auf den Umstieg auf emissionsarme Produktionsverfahren.
Für die anstehende Reform des Emissionshandels sei dies zu berücksichtigen. Zudem könne der Emissionshandel im Zusammenspiel mit weiteren Instrumenten wichtige Impulse für die Modernisierung des europäischen und deutschen Industriestandorts geben.
Darüber hinaus betont das UBA die Bedeutung der Versteigerungserlöse aus dem Emissionshandel für die Transformation der Industrie. Als zentrale Handlungsfelder werden die Elektrifizierung industrieller Prozesse, der Einsatz von grünem Wasserstoff sowie CO₂-arme Produktionsverfahren genannt. Der Ausbau dieser Technologien und der erforderlichen Infrastruktur verlaufe bislang jedoch nicht schnell genug.
Emissionen der Energieversorgung
Die Emissionen aus der Energieversorgung gingen 2025 um rund 2 % auf etwa 167 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zurück.
Dies ist zwar der niedrigste Stand seit Einführung des EU-ETS 1 im Jahr 2005, gleichzeitig fiel der Rückgang deutlich geringer aus als im Vorjahr.
Zu den Ursachen zählen insbesondere die gestiegene Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen sowie die rückläufige Stromerzeugung aus Braunkohlekraftwerken. Dämpfend wirkten dagegen höhere Emissionen aus Stein- und Erdgaskraftwerken, eine geringere Stromerzeugung aus Wind- und Wasserkraft sowie rückläufige Nettoimporte von Strom.
Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch lag 2025 bei rund 55 % und stieg gegenüber dem Vorjahr nur leicht an.
Emissionen der Industrie
Die Emissionen der energieintensiven Industrieanlagen im EU-ETS 1 sanken um rund 5 % auf etwa 97 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente.
Besonders deutlich waren die Rückgänge in der Eisen- und Stahlindustrie, bei Industrie- und Baukalk sowie in der Papier- und Zellstoffindustrie. Maßgeblich hierfür waren vor allem Produktionsrückgänge.
Die Emissionen jener 92 Industrieanlagen, die seit dem 1. Januar 2024 aufgrund der Novellierung der europäischen Emissionshandelsrichtlinie emissionshandelspflichtig sind, beliefen sich auf rund 370.000 Tonnen CO₂-Äquivalente. Aufgrund ihres vergleichsweise geringen Emissionsvolumens hatten sie nur einen geringen Einfluss auf die Gesamtentwicklung.
Emissionen im Luftverkehr
Die Emissionen der von Deutschland verwalteten Luftfahrzeugbetreiber gingen 2025 um rund 2 % auf etwa 8,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zurück.
Der seit 2021 beobachtete Wachstumstrend wurde damit zunächst gestoppt. Die Emissionen bewegen sich wieder etwa auf dem Niveau des Jahres 2019 vor der Pandemie. Der Luftverkehr ist seit 2012 in den EU-ETS 1 eingebunden.
Emissionen im Seeverkehr
Für den Seeverkehr liegen derzeit noch keine belastbaren Angaben für das Jahr 2025 vor.
Da dieser Bereich erst seit 2024 Teil des EU-ETS 1 ist und zahlreiche Schifffahrtsunternehmen ihre Emissionsberichte erst kurz vor Ablauf der gesetzlichen Fristen einreichen, ist die Datenlage bislang eingeschränkt.
Für das Jahr 2024 meldeten rund 640 von Deutschland verwaltete Schifffahrtsunternehmen Emissionen von rund elf Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten im Rahmen des EU-ETS 1.
Emissionshandel und Gesamtemissionen
Die gesamten deutschen Treibhausgasemissionen blieben 2025 gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.
Nach vorläufigen Angaben des UBA lagen sie bei 649 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten und damit 0,1 % unter dem Wert des Jahres 2024. Die Emissionsrückgänge im EU-ETS 1 wurden dabei durch steigende Emissionen im Gebäude- und Verkehrssektor teilweise kompensiert.
Die ebenfalls abgeschlossene Auswertung des nationalen Emissionshandels (nEHS) für das Jahr 2024 zeigt nahezu unveränderte Emissionen gegenüber dem Vorjahr. Das für den nEHS vorgesehene Emissionsbudget wurde erstmals deutlich überschritten.
Der nationale Emissionshandel umfasst insbesondere Brennstoffe des Gebäude- und Verkehrssektors außerhalb des EU-ETS 1. Zusammen erfassen EU-ETS 1 und nEHS nach Angaben des UBA mehr als 85 % der deutschen Treibhausgasemissionen.
Quelle: Pressemitteilung des Umweltbundesamtes (UBA)
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