Allianz Trade
Späte Zahlungen erhöhen den Liquiditätsdruck in Unternehmen
Unternehmen in Deutschland warten länger auf Zahlungseingänge, während Lieferanten vergleichsweise früh bezahlt werden. Dadurch wächst die Kapitalbindung und der Druck auf die Liquidität nimmt weiter zu.
Hohe Lagerbestände binden Kapital im Unternehmen. (Bild: Adobe Stock / unai)
Veröffentlicht am 22.07.2026
ESV / ESV-Akademie
Allianz Trade erwartet weitere Verschärfung der Kapitalbindung
Die Liquiditätssituation deutscher Unternehmen hat sich verschlechtert. Kunden beglichen ihre Rechnungen im Jahr 2025 durchschnittlich erst nach 55 Tagen und damit 2,8 Tage später als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden Lieferanten bereits nach durchschnittlich 35 Tagen bezahlt. Dies geht aus der aktuellen Erhebung des Kreditversicherers Allianz Trade hervor.
Wachsende Lücke zwischen Einzahlungen und Auszahlungen
Die zunehmende Differenz zwischen Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen belastet die Liquidität vieler Unternehmen.
Nach den Ergebnissen der Untersuchung begleichen deutsche Unternehmen ihre Lieferanten im Durchschnitt 14 Tage früher als Unternehmen im übrigen Westeuropa. Dadurch bestehen nur begrenzte Möglichkeiten, verspätete Kundenzahlungen durch längere Zahlungsziele auf der Beschaffungsseite auszugleichen.
Cash Collection Cycle steigt weiter an
Der sogenannte Cash Collection Cycle erhöhte sich in Deutschland im Jahr 2025 um 1,8 Tage auf 79 Tage. Die Kennzahl beschreibt den Zeitraum, in dem Kapital im operativen Geschäft gebunden ist, bevor es dem Unternehmen wieder als Zahlungsmittel zur Verfügung steht.
Im westeuropäischen Durchschnitt liegt der Cash Collection Cycle bei 63 Tagen und damit deutlich unter dem deutschen Wert.
Höhere Lagerbestände binden zusätzlich Kapital
Zusätzlicher Druck auf den Cashflow entsteht durch wachsende Vorratsbestände.
Waren verblieben 2025 durchschnittlich 58 Tage im Lager und damit 0,9 Tage länger als im Vorjahr. Viele Unternehmen stocken ihre Bestände auf, um sich gegen Lieferengpässe, geopolitische Spannungen und Handelskonflikte abzusichern.
Diese höhere Widerstandsfähigkeit der Lieferketten führt jedoch dazu, dass mehr Kapital in Vorräten gebunden wird. Dadurch stehen weniger finanzielle Mittel für Investitionen, den Schuldendienst oder laufende Ausgaben zur Verfügung.
Einige Branchen besonders betroffen
Besonders lange Kapitalrückflusszeiten verzeichnete Allianz Trade in der Computer- und Telekommunikationsbranche, der Elektronikindustrie, der Papierwirtschaft sowie in der Pharmabranche.
Weitere Verschlechterung im Jahr 2026 erwartet
Für das Jahr 2026 rechnet Allianz Trade mit einer weiteren Zunahme der Kapitalbindung. Der Cash Collection Cycle dürfte um weitere vier Tage auf 83 Tage steigen.
Mit dem längeren Kapitalrückfluss wächst der Finanzierungsbedarf der Unternehmen, während die Möglichkeiten zur Entlastung über längere Zahlungsziele gegenüber Lieferanten weiterhin begrenzt bleiben.
Auch weltweit hohe Kapitalbindung
Die Entwicklung zeigt sich nicht nur in Deutschland. Weltweit stieg der Cash Collection Cycle im Jahr 2025 leicht auf 67 Tage und lag damit rund drei Tage über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Als wesentlichen Treiber nennt Allianz Trade die höheren Lagerbestände. Unternehmen messen der Versorgungssicherheit zunehmend größere Bedeutung bei als einer möglichst geringen Vorratshaltung.
Quelle: Allianz Trade, Jahreserhebung zum Zahlungsverhalten und Cash Collection Cycle 2025.
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