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Psychische Gesundheit

Stressdiagnosen bei Berufstätigen erreichen Höchststand

Berufstätige fielen 2025 so häufig wie nie zuvor wegen akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen aus. Laut KKH kamen knapp 119 Krankentage auf 100 Versicherte zusammen.

Gestresste Person in Business-Kleidung hält beide Hände seitlich an den Kopf.

Dauerstress und unklare Erwartungen im Arbeitsalltag können langfristig zu psychischen Belastungen führen. (Bild: Adobe Stock / Business Pics)

Veröffentlicht am 09.09.2026

ESV / ESV-Akademie

HSE & Betriebssicherheit, Arbeitsschutz, Management & Wirtschaft

Stressbedingte Fehlzeiten nehmen weiter zu

Berufstätige sind im vergangenen Jahr so häufig wie noch nie wegen akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen ausgefallen. Nach Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse entfielen 2025 knapp 119 Krankentage auf 100 Versicherte aufgrund dieser Diagnose.

Im Vorjahr 2024 waren es rund 112 Fehltage. Zu Beginn der KKH-Analyse im Jahr 2017 lag der Wert noch bei rund 66 Tagen. Im Vergleich zu 2025 entspricht dies einem Anstieg von fast 80 Prozent.

Akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen gelten außerdem als mögliche Vorstufe einer Depression. Im Jahr 2025 waren sie die häufigste psychische Diagnose bei Berufstätigen und insgesamt der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen, nach Infektionen der oberen Atemwege und Rückenschmerzen.

Dauerstress und unklare Anforderungen als Belastungsfaktoren

Neben privaten Belastungen und klassischen beruflichen Stressfaktoren wie hohem Arbeitspensum, Überstunden, Existenzängsten oder Konflikten am Arbeitsplatz sieht die KKH auch die moderne Arbeitswelt als möglichen Belastungsfaktor.

Nach Einschätzung von Aileen Könitz, Ärztin und Expertin für psychiatrische Fragen bei der KKH, können mobiles Arbeiten und flexible Arbeitsmodelle zusätzlichen Druck erzeugen, wenn klare Strukturen fehlen.

„Moderne Arbeit kann erschöpfen, obwohl sie flexibler geworden ist“, erklärt Könitz. Nicht nur die eigentliche Arbeitsmenge, sondern auch ungeklärte Zuständigkeiten, Erwartungen und Kommunikationswege könnten Beschäftigte belasten. Fehlende Klarheit darüber, wer zuständig ist, welche Erwartungen gelten oder wann Beschäftigte erreichbar sein müssen, könne dazu beitragen, dass eine gedankliche Distanzierung von der Arbeit schwerfällt.

Langfristig könne dies Anspannung und mentale Erschöpfung fördern.

Arbeitszeitfragmentierung bietet Chancen und Risiken

Flexible Arbeitsmodelle ermöglichen es vielen Beschäftigten, Beruf und Privatleben besser miteinander zu vereinbaren. So können etwa private Termine tagsüber wahrgenommen und Arbeitszeiten auf den Abend verlagert werden.

Die sogenannte Arbeitszeitfragmentierung kann jedoch auch Nachteile mit sich bringen. Häufige Wechsel zwischen beruflichen und privaten Aufgaben erfordern zusätzliche Zeit und Energie. Zudem können verkürzte Ruhezeiten und eine Ausweitung der Arbeitszeit auf die Abendstunden entstehen.

Kurzfristig kann sich dies auf Konzentration, Leistungsfähigkeit, Schlaf und Wohlbefinden auswirken. Langfristig können chronische Erschöpfung, Belastungsreaktionen oder ein Burnout begünstigt werden.

Klare Regeln sollen vor Überlastung schützen

Nach Auffassung der KKH kann flexibles Arbeiten nur dann zu einer besseren Work-Life-Balance beitragen, wenn die Rahmenbedingungen klar definiert sind.

Dies gilt insbesondere dann, wenn Beschäftigte ihre Erwerbsarbeit für Care-Arbeit unterbrechen. In solchen Fällen handele es sich nicht um Erholungspausen, sondern um weitere Arbeitsleistungen außerhalb des Berufs.

Unternehmen sollten deshalb klare Strukturen schaffen. Dazu gehören verbindliche Grenzen für Arbeitszeiten, eindeutige Regelungen zu Ruhezeiten sowie transparente Kommunikationsregeln.

Führungskräfte können zusätzlich dazu beitragen, die Erholung der Beschäftigten zu fördern, indem sie Pausen und arbeitsfreie Zeiten respektieren und keine permanente Erreichbarkeit erwarten.

Beschäftigte können selbst zur Entlastung beitragen

Auch Beschäftigte haben Möglichkeiten, die Vorteile flexibler Arbeit zu nutzen und gleichzeitig gesundheitliche Risiken zu begrenzen.

Dazu gehören feste Arbeits- und Pausenzeiten, eine klare Trennung von Beruf und Freizeit sowie das bewusste Abschalten digitaler Geräte nach Feierabend.

Die KKH empfiehlt außerdem regelmäßige Bewegung, Entspannungstechniken und soziale Aktivitäten. Diese könnten dazu beitragen, Stress abzubauen und langfristig ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu erhalten.


Quelle/Fundstelle: Pressemitteilung der KKH Kaufmännische Krankenkasse vom 09.09.2026

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