Betriebliche Prävention
Jeder vierte Beschäftigte kennt Fälle problematischen Suchtmittelkonsums am Arbeitsplatz
Problematischer Suchtmittelkonsum bleibt ein Thema in der Arbeitswelt: 25 Prozent der Beschäftigten kennen entsprechende Fälle im Arbeitsumfeld. Eine DGUV-Befragung zeigt zugleich Wissenslücken und Handlungsbedarf bei der Suchtprävention.
Problematischer Suchtmittelkonsum kann auch Auswirkungen auf den Arbeitsplatz haben.
Veröffentlicht am 22.07.2026
ESV / ESV-Akademie
Suchtprävention am Arbeitsplatz bleibt eine wichtige Aufgabe für Unternehmen
Problematischer Konsum von Alkohol, Cannabis oder anderen Suchtmitteln spielt auch in der Arbeitswelt eine relevante Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle repräsentative Befragung, die im Auftrag des Spitzenverbandes der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), durchgeführt wurde.
Demnach kennt jede vierte beziehungsweise jeder vierte Beschäftigte (25 Prozent) aus den vergangenen zwei Jahren Fälle, in denen Kolleginnen oder Kollegen durch einen problematischen Umgang mit Suchtmitteln aufgefallen sind.
Suchtprävention als Bestandteil wirksamen Arbeitsschutzes
„Suchtmittelkonsum kann die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz beeinträchtigen und das Unfallrisiko erhöhen. Unsere Befragung zeigt, dass problematischer Konsum in vielen Betrieben zwar wahrgenommen, aber oft nicht offen angesprochen wird. Für wirksame Prävention bedeutet das: Risiken frühzeitig erkennen, offen ansprechen und Betroffene unterstützen, bevor aus Problemen Krisen entstehen“, sagt Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen bieten umfassende Beratung zu Fragen der Suchtmittelprävention an. Darüber hinaus können Unternehmen auf Präventionsangebote weiterer Sozialversicherungsträger zurückgreifen.
„Im Rahmen der Nationalen Präventionsstrategie arbeiten Unfall-, Renten- und Krankenversicherung daran, ihre Angebote noch besser zu vernetzen und zugänglicher zu machen“, so Fasshauer, der in diesem Jahr zugleich Vorsitzender der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) ist.
Alkohol ist das am häufigsten genannte Suchtmittel
Alkohol wird mit Abstand am häufigsten als problematisches Suchtmittel im Arbeitsumfeld genannt. 21 Prozent der Befragten berichten von entsprechendem Konsum. Dahinter folgen Cannabis und Nikotin mit jeweils 5 Prozent.
Jeweils 4 Prozent nennen illegale Drogen oder den Missbrauch von Medikamenten. Besonders häufig berichten Beschäftigte aus Verkehr und Logistik (35 Prozent), dem Sozialwesen (32 Prozent), der öffentlichen Verwaltung (31 Prozent) sowie dem verarbeitenden Gewerbe (30 Prozent) von problematischem Konsum.
Viele Beschäftigte kennen betriebliche Vorgaben nicht
Klare Regelungen zum Umgang mit Suchtmittelproblemen gelten als wichtiger Baustein der Prävention. Dennoch kennt lediglich etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten (54 Prozent) die entsprechenden Vorgaben ihres Unternehmens.
Fast jede zweite befragte Person (46 Prozent) weiß nicht, welche Regelungen am Arbeitsplatz gelten. Gleichzeitig geben 48 Prozent der Befragten an, dass in ihrem Unternehmen eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung zum Umgang mit Suchtmitteln besteht.
Hilfsbereitschaft vorhanden, Unsicherheit bleibt
71 Prozent der Erwerbstätigen trauen sich zu, zu erkennen, wenn jemand während der Arbeit unter Alkohol- oder Drogeneinfluss steht.
Direkt auf einen problematischen Konsum ansprechen würden jedoch nur 57 Prozent der Befragten ihre Kolleginnen oder Kollegen. Positiv fällt aus, dass 63 Prozent der Beschäftigten wissen, an wen sie sich bei Fragen rund um das Thema Sucht innerhalb des Unternehmens wenden können. Externe Beratungsangebote sind dagegen lediglich 45 Prozent bekannt.
„Um Suchtmittelkonsum am Arbeitsplatz vorzubeugen, bedarf es klarer Regelungen, die im Unternehmen verständlich kommuniziert werden sollten. Ebenso sollte die Arbeitsgestaltung darauf ausgerichtet sein, sowohl anhaltenden Stress als auch dauerhafte Unterforderung zu vermeiden, da beides den Konsum von Suchtmitteln begünstigen kann. Werden Sicherheit, Gesundheit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Suchtmitteln aktiv in der Unternehmenskultur verankert, sinkt das Risiko eines problematischen Konsums deutlich“, sagt Dr. Marlen Cosmar, DGUV Präventionsexpertin.
Unternehmenskultur häufig von Zurückhaltung geprägt
Die Befragung macht deutlich, dass viele Beschäftigte keine offene Gesprächskultur zum Thema Sucht erleben. Nur 28 Prozent der Befragten beschreiben die Unternehmenskultur als transparent und geben an, dass offen über das Thema gesprochen werden kann.
49 Prozent empfinden den Umgang mit dem Thema als eher zurückhaltend. Weitere 11 Prozent betrachten Sucht im Unternehmen sogar als Tabuthema.
Präventionsangebote der gesetzlichen Unfallversicherung
Die Unfallversicherungsträger, also Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, informieren, unterstützen und beraten Betriebe und Organisationen bei der Suchtprävention. Dazu gehören die Qualifizierung betrieblicher Akteure zur Suchtprävention, Unterstützung bei der Erstellung von Betriebsvereinbarungen sowie die Durchführung von Informationsveranstaltungen.
Auf der Website der DGUV stehen weitere Informationen zur Suchtprävention in der Arbeitswelt sowie konkrete Handlungsempfehlungen zur Verfügung.
Das Web-Based-Training „Suchtprävention in der Arbeitswelt“ der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in das Thema. Das digitale Lernangebot richtet sich an Betriebe, Führungskräfte und Beschäftigte und kann flexibel genutzt werden.
Mit den Dialogkarten Sucht der Kulturdialoge: Prävention können Teams selbst analysieren, wie im Unternehmen aktuell mit dem Thema umgegangen wird. Die Einstufung anhand des Fünf-Stufen-Modells der DGUV unterstützt dabei, die Qualität des Suchtmanagements zu bewerten und Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.
Über die Befragung
Die forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH führte im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) eine repräsentative Befragung zum Thema „Suchtprävention am Arbeitsplatz“ unter Erwerbstätigen in Deutschland durch.
Befragt wurden insgesamt 2.016 Erwerbstätige, darunter 554 Führungskräfte, in Unternehmen mit mindestens zwei Mitarbeitenden. Die Datenerhebung erfolgte vom 11. bis 16. Juni 2026 im Rahmen eines repräsentativen Online-Panels.
Die Ergebnisse der forsa-Befragung stehen als Download zur Verfügung.
Quelle: Pressemitteilung DGUV
Weitere Veranstaltungen
Das könnte Sie auch interessieren
Zur Vertiefung, als thematische Ergänzung oder mit einem neuen fachlichen Blickwinkel – hier finden Sie weitere Fortbildungen, die für Sie relevant sein könnten.
Fachnewsletter
Mehr aus Ihrem Fachgebiet
Erhalten Sie aktuelle Meldungen, wichtige Entscheidungen und relevante Entwicklungen regelmäßig direkt in Ihr E-Mail-Postfach.