Arbeitswelt
Psychische Erkrankungen belasten Arbeitsmarkt und Wirtschaft zunehmend
Der Bericht „The Value of Mental Health“ prognostiziert bis 2030 Produktivitätsverluste von bis zu 120 Milliarden Euro infolge psychischer Erkrankungen. Hauptursache ist die verringerte Erwerbsbeteiligung.
Psychische Belastungen wirken sich auch auf die Arbeitswelt aus. (Bild: Adobe Stock / Panya Studio)
Veröffentlicht am 03.06.2026
ESV / ESV-Akademie
Psychische Erkrankungen verursachen hohe wirtschaftliche Kosten
Psychische Erkrankungen entwickeln sich in Deutschland zunehmend zu einem Belastungsfaktor für Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Bericht „The Value of Mental Health“ der Zurich Insurance Group. Demnach werden die jährlichen Produktivitätsverluste infolge psychischer Erkrankungen bis 2030 auf bis zu 120 Milliarden Euro ansteigen.
Der größte Teil dieser Verluste entsteht nicht durch kurzfristige Fehlzeiten, sondern durch eine dauerhaft reduzierte Erwerbsbeteiligung. Bereits heute zeigt sich eine deutliche Beschäftigungslücke: Während 78 Prozent der Menschen ohne psychische Erkrankung erwerbstätig sind, beträgt die Quote bei Betroffenen 61 Prozent. Rund 80 Prozent der wirtschaftlichen Verluste sind auf diese verringerte Teilhabe am Arbeitsmarkt zurückzuführen. Bereits im Jahr 2026 belaufen sich diese Verluste auf 87 Milliarden Euro, was 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.
„Mentale Gesundheit entscheidet darüber, ob Menschen langfristig am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilhaben können oder den Anschluss verlieren. Inzwischen leben nahezu 13 Millionen Menschen, etwa 16 Prozent der Bevölkerung, mit einer psychischen Erkrankung“, sagt Heike Hommel, Chief Underwriting Officer Individual Life. „Frühzeitige Unterstützung der betroffenen Menschen kommt nicht nur den Einzelnen zugute, sondern ihrem Umfeld, der Gesellschaft und der Wirtschaft insgesamt – sie ist damit eine Investition in nachhaltige Leistungsfähigkeit.“
Psychisch bedingte Fehlzeiten bleiben ein relevanter Faktor
Psychische Erkrankungen wirken sich auch auf Fehlzeiten in Unternehmen aus. Beschäftigte in Deutschland nehmen durchschnittlich 2,5 zusätzliche Krankheitstage pro Jahr aufgrund psychischer Erkrankungen in Anspruch.
Dies entspricht im Jahr 2026 rund 98 Millionen krankheitsbedingten Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen und verursacht einen Produktionsausfall von mehr als 22 Milliarden Euro beziehungsweise 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Bis 2030 dürfte dieser Wert auf 23 Milliarden Euro steigen.
Nicht berücksichtigt ist dabei der sogenannte Präsentismus, also eine verringerte Leistungsfähigkeit trotz Anwesenheit am Arbeitsplatz. Dadurch werden die tatsächlichen Produktivitätsverluste für Unternehmen und die Gesamtwirtschaft nach Angaben des Berichts unterschätzt. Unterstützung und Absicherung sind demnach besonders wirksam, solange die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt.
Hohe individuelle Belastungen wirken langfristig nach
Neben den volkswirtschaftlichen Auswirkungen verweist der Bericht auf erhebliche individuelle Folgen. Für eine durchschnittliche betroffene Person in Deutschland werden bis 2030 rund 67 Tage gesunden Lebens pro Jahr erwartet, die durch psychische Erkrankung verloren gehen. Dies ist der höchste Wert unter den im Bericht untersuchten Ländern.
Anhaltende gesundheitliche Einschränkungen erhöhen zudem das Risiko, dauerhaft aus dem Erwerbsleben auszuscheiden.
Darüber hinaus zeigt sich auch in Deutschland ein deutliches geschlechtsspezifisches Muster. Frauen stellen 56 Prozent aller Fälle psychischer Erkrankungen, verglichen mit 45 Prozent bei Männern. Männer wiederum sind überproportional von vorzeitiger Sterblichkeit betroffen und machen 72 Prozent aller Todesfälle infolge von Suizid aus.
Leistungsfähiges Versorgungssystem unter zunehmendem Druck
Deutschland verfügt nach den Ergebnissen des Berichts im internationalen Vergleich über ein leistungsfähiges System der psychischen Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig nehmen die Belastungen insbesondere im ambulanten Bereich zu.
Verzögerungen beim Zugang zu Unterstützung erhöhen das Risiko, dass kurzfristige Belastungen zu langfristigen Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit werden. „Je länger Menschen ohne passende Unterstützung bleiben, desto größer wird das Risiko eines dauerhaften Rückzugs aus dem Arbeitsleben“, so Hommel. „Genau hier kommt es darauf an, früh zu begleiten und Übergänge in neue Lebens- und Arbeitsphasen zu schaffen.“
Frühzeitige Unterstützung kann Produktivitätsverluste begrenzen
Der Bericht macht deutlich, dass die Stärkung der persönlichen Resilienz, ein früher Zugang zu wirksamer Unterstützung, eine engere Verzahnung von Gesundheitsversorgung und Arbeitswelt sowie strukturierte Wiedereinstiegs- und Begleitmodelle zentrale Hebel zur Begrenzung von Produktivitätsverlusten darstellen.
Über den Bericht
Der Bericht „The Value of Mental Health“ untersucht die aktuellen und künftigen Auswirkungen psychischer Erkrankungen in Australien, Chile, Deutschland, Malaysia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Vereinigten Königreich auf Grundlage einer Analyse öffentlicher Daten. Die Studie umfasst sowohl Schwellenländer als auch entwickelte Märkte.
Bewertet werden die Auswirkungen auf Menschen, Produktivität und Schutzsysteme bis zum Jahr 2030 anhand von Kennzahlen wie verlorenen gesunden Lebensjahren, Lücken in der Erwerbsbeteiligung sowie Kosten auf Systemebene.
Über Zurich
Die Zurich Gruppe Deutschland wurde 1875 in Berlin gegründet und gehört zur weltweit tätigen Zurich Insurance Group. Mit Beitragseinnahmen (2025) von über 6,2 Milliarden Euro, Kapitalanlagen von mehr als 52 Milliarden EUR und rund 5.300 Mitarbeitenden zählt Zurich zu den führenden Versicherungen in Deutschland.
Im Einklang mit dem Ziel „gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten“ bietet Zurich Präventionsdienstleistungen an, die über traditionelle Versicherungsprodukte hinausgehen, um Kunden dabei zu unterstützen, Resilienz aufzubauen.
Quelle/Fundstelle
Zurich Insurance Group, Bericht „The Value of Mental Health“
Quelle: Pressemitteilung Zurich
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